Thema: Zollformalitäten und Handelsfreiheit
Ich habe im vergangenen Dezember so wie jedes Jahr wieder beim Adventkalender-Puzzle des britischen Mathematikers Matthew Scroggs mitgemacht. Es ist mir zwar bereits in den Jahren davor stets gelungen, alle Aufgaben zu lösen, aber diesmal war ich auch einer der zehn glücklichen Gewinner. Im Anschluss hat es eine ganze Weile gedauert, bis Matthew heuer die Preise verschickt hat, weil er bei manchen Sendungen zuerst noch die Zollformalitäten regeln musste. Sie spielen leider auch in meinem Fall eine Rolle, da Großbritannien nicht mehr Teil der europäischen Union ist.
Anfang September habe ich schließlich eine Nachricht erhalten, in der ich darüber informiert wurde, dass meine Sendung angekommen ist. Zumindest grundsätzlich. Das Paket hat nämlich die letzte Meile zu meiner Wohnung nicht geschafft und wurde stattdessen von der Post einbehalten. Anscheinend war die Zollbehörde mit Matthews Angaben unzufrieden und hat mich deshalb um weitere Auskünfte gebeten.
Man befindet sich in einer recht kafkaesken Situation, wenn man Angaben über den Inhalt eines Pakets machen soll, das man nicht öffnen kann, weil man es ja erst dann ausgehändigt bekommt, nachdem man diese Angaben gemacht hat. Aus diesem Grund habe ich zunächst beim Kundensupport angerufen, um herauszufinden, wie sie sich das vorstellen, wenn ich keinen Zugriff auf meine Sendung habe. Nach einer Viertelstunde in der Warteschleife hatte ich dann ein nettes Gespräch mit einem echten Menschen, der mich darüber aufgeklärt hat, wie ich mein Problem lösen kann.
Als Nächstes habe ich Matthew per Mail kontaktiert und um Unterstützung gebeten. Während ich auf seine Antwort gewartet habe, bin ich auf einen älteren Blogbeitrag mit einem Foto der Preise aus dem Jahr 2018 gestoßen. Zufälligerweise handelt es sich dabei sogar um ein Jahr aus dem Zeitraum, in dem der Brexit, d. h. der EU-Austritt Großbritanniens gerade verhandelt wurde. Damals gab es u. a. ein T-Shirt, zwei Secondhand-Bücher, drei Magazine, zwei Anstecker, einen Bleistift, zwei Weihnachtskarten und ein paar weitere Kleinigkeiten zu gewinnen.
Im Informationsschreiben der Post war auch Matthews ursprüngliche Auflistung des Inhalts der Sendung enthalten. Abgesehen von dem T-Shirt war jedoch nur die Rede von einem Buch, einem Magazin, einem Anstecker, einem Stift und ein paar Papierdokumenten. Der nette Mitarbeiter am Telefon hat mir zu verstehen gegeben, dass prinzipiell eine informelle Nachricht per Mail genügt, um zu deklarieren, welcher Warenwert hier zu verzollen ist. Also habe ich die ungefähren Kosten dieser Gegenstände geschätzt und ein Mail an die angegebene Kontaktadresse geschickt.
Und siehe da: Es scheint gepasst zu haben, denn ein paar Tage später lag der Benachrichtigungszettel für eine Abholung in der Postfiliale in meinem Hausbrieffach. Also habe ich mich auf den Weg gemacht, um das Lösegeld für meinen Gewinn zu bezahlen und ihn somit endlich in Empfang zu nehmen. Kurze Zeit später hat mich Matthews Antwort erreicht, in der er den wesentlich umfangreicheren Inhalt der Sendung aufgelistet hat, doch es war bereits zu spät, da ich mein Paket ja schon ausgelöst hatte:

Preise von 2025 (Bildquelle: Johannes C. Huber)
Ich nehme mir jedenfalls vor, das Ganze als Beispiel für den freien Warenverkehr innerhalb der EU im Geographie und Wirtschaftskunde-Unterricht einfließen zu lassen, damit es auch jeden Cent wert war.
Johannes C. Huber (bekam ein verspätetes Weihnachts-, aber dafür pünktliches Geburtstagsgeschenk)